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Die Spulenkörper waren meistens schwarz, seltener auch
creme-weiß (das sind die von Sammlern am höchsten bewerteten). Einige Exemplare haben einen schwarzen und einen weißen. Das
sieht man natürlich erst, wenn man die Kappe abnimmt. Ein Zusammenhang zwischen Farben und Übertragungscharakteristik besteht nicht.
Die starken Schwankungen lassen darauf schließen, dass die Pickups
damals noch mit der Hand gewickelt wurden. Ich habe selbst ziemlich
viele Pickups gewickelt und dabei so allerhand Erfahrungen gesammelt. Es
gehören zwei verschiedene Dinge dazu: Erstens muss man den Spulenkörper
drehen, zweitens muss man den Draht ständig über die Breite
hinundherführen. Die Spule dauernd mit der Hand zu kurbeln, ist eine
Idiotenarbeit. Ich habe das in den 70-er Jahren ungefähr fünfmal gemacht, aber sehr schnell die
Lust verloren und einen Motor an meine Maschine anmontiert. Das werden die amerikanischen Pickup-Hersteller auch alle getan haben.
Ich habe den Gibson-Leuten nun damals nicht über die Schulter geguckt, aber mit ziemlicher Sicherheit haben die in den 50-er Jahren den Draht noch mit der Hand geführt. Die Stückzahlen waren nicht entfernt so hoch wie heute, und die Leute hatten viel mehr Zeit. Aber auch da weiß man nach ein paar tausend Windungen, was man getan hat. So lassen sich jedenfalls die starken Schwankungen erklären. Wenn man den Draht sehr stramm zieht, dehnt er sich und wird dünner. Dann passen mehr Windungen auf den Spulenkörper. Wenn der Daumen dann mit der Zeit schlaff wird, behält der Draht seine Originaldicke und es haben nicht so viele Windungen Platz. Leider kann man den alten "patend applied for"-Humbuckern nicht ansehen, ob sie morgens oder abends entstanden sind. Im übrigen ist es für einen Drahthersteller auch gar nicht leicht, diese hauchdünnen Stärken (Nennwert 0,063 mm, Nr. 42 im US-Drahtsystem) absolut gleichmäßig zu fertigen. Da dürfte es einige Schwankungen gegeben haben.
Ganz am Anfang haben die Pickup-Wickler bei Gibson offensichtlich noch kein Zählwerk an ihrer Maschine drangehabt, sondern die Spulenkörper einfach so lange bewickelt, bis sie voll waren. Irgendwann müssen sie aber selbst gemerkt haben, dass das so nicht geht, und haben sich dann auf 5000 Windungen je Spule festgelegt.
Seitdem sind die Schwankungen geringer, aber immer noch nicht beseitigt. Das liegt einfach am Herstellungsprinzip.Wenn der Draht mit der Hand geführt wird, ist keine hohe Gleichmäßigkeit zu erreichen. Wenn man den Widerstand der Wicklung misst, kann man bei einer Serie vielleicht eine phantastische Übereinstimmung vorfinden, aber das heißt überhaupt nichts. Der Widerstand hat keinerlei Aussagekraft, sondern für den Sound ist in erster Linie eine ganz andere elektrische Größe verantwortlich: die Induktivität (siehe "Pickup-Geheimnisse). Die hängt nicht allein von der Windungszahl ab, sondern auch von der Packungsdichte der Drahtwicklung. Wenn der Draht beim Wickeln mit der Hand kreuz und quer geführt wird, gibt es viele Überkreuzungen und damit viel Luft in der Wicklung. Wenn der Draht präzise von einer Maschine geführt wird, ist weniger Luft drin, die Packung wird dichter. Im ersteren Fall ist die Induktivität kleiner und die Resonanzfrequenz höher, im letzteren Fall ist die Induktivität größer, die Resonanzfrequenz tiefer. Was davon jetzt "besser" oder "schlechter" klingt, kann man nicht generell sagen, das kommt ganz auf die jeweilige Gitarre und auch auf den Verstärker und seine Einstellung an. Den gleichen Effekt könnte man auch durch unterschiedliche Windungszahlen erreichen.
Wenn heute einige Pickup-Hersteller damit werben, ihre Produkte
wären angeblich "handgewickelt", dann lasst euch davon nicht
imponieren. Das kann auch durchaus geschwindelt sein, und die Behauptung ist nichts als ein cleverer Werbegag.
Erstens wäre das sehr teuer (wenn es nicht gerade kleine Mädchen von den Philippinen oder wo machen), zweitens
ist es damit annähernd unmöglich, größere Stückzahlen exakt gleichmäßig
hinzukriegen. Das mag allenfalls noch gehen, wenn nur eine Person wickelt. Sobald aber mehrere Leute parallel arbeiten, wird jeder seinen eigenen Stil entfalten. Maschinen - vorausgesetzt dass sie mit aller Sorgfalt bedient werden
- können das sehr viel präziser als Menschen. Die Gibson-Humbucker mit
dem neuen Schild werden in riesigen Stückzahl fabriziert. Sie sind
in Frequenzgang und Sound derart gleichmäßig, dass die das im Werk nur mit maschinell gesteuerter
Drahtführung geschafft haben können.
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