| Die Sache mit der Unsymmetrie |
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So
weit, so gut. Die beschriebenen Tricks zur Frequenzgangveränderung
haben inzwischen eine ganze Menge Leute
angewendet, überwiegend mit großer Zufriedenheit. Einige wenige
Puristen haben aber immer noch winzige Unterschiede zwischen so
manipulierten neuen Humbuckern und einigen echten alten PAFs
herausgehört.
Den Grund dafür hat Gibson selbst verraten: eine gewisse Unsymmetrie der beiden Spulen. Nicht zu viel, sondern gerade eben mit Maß. Weil die Spulen damals alle sehr
verschieden ausgefallen sind, kann es passieren, dass in einem Pickup
beide ziemlich auseinander driften. Wenn die eine mehr Windungen
hat als die andere, dann gibt sie eine entsprechend höhere
Spannung ab. Bestimmte hohe Obertöne der Saite, die gerade über dem
einen Magnetpol einen Wellenberg und über dem anderen ein Wellental
haben, fallen dann nicht mehr aus dem Klangspektrum heraus wie bei
einem perfekten, genau symmetrischen Humbucker, sondern werden doch
etwas mitübertragen. Bei der tiefen E-Saite sind das die um 3 kHz, bei der A-Saite um 4 kHz, bei der d-Saite um 5,3 kHz, bei der g-Saite um 7 kHz (da ist die Übertragung der üblichen Pickups bereits sehr tief abgefallen). Bei h- und e1-Saite werden diese Frequenzen bereits so schwach übertragen, dass der Effekt praktisch keine Rolle mehr spielt. Die besagten Töne werden also bei unsymmetrischen Humbuckern weniger stark unterdrückt. Dadurch wird der Sound geringfügig anders, er bekommt so einen gewissen "Kick" - ein Stückchen in Richtung Single-Coil. Nur ist dieser Effekt natürlich bei
jedem Exemplar äußerst verschieden, mal stark, mal schwach; und mal ist
die Spule mit den Schrauben die stärkere und mal die mit den festen
Eisenpolen. Da ist überhaupt nichts reproduzierbar. Die "legendären
Klangeigenschaften" gibt es also nur bei einigen wenigen Exemplaren der
alten Pickups, keinesfalls bei allen. Meine
Meinung dazu: Was in alten Zeiten ein Ergebnis von mangelnder Sorgfalt
war, das sollte man nicht im Nachhinein als "Genialität" hinstellen.
Nun sind einige Hersteller bereits auf diesen Trick gekommen und bieten
heute (für sehr teures Geld!) Humbucker an, die ganz bewusst etwas
unsymmetrisch gemacht sind (dies heute sicher gleichmäßiger als einst). Dazu haben die eine größere Anzahl von alten PAFs gehörmäßig durchgetestet und daraus einige wenige Typen heraus- selektiert, die ihnen am besten gefallen haben. Alle die anderen haben sie unter den Tisch fallen lassen. Die Geschmäcker verschiedener Hersteller driften dabei allerdings weit auseinander. So wickelt Gibson auf die Spule mit den festen Eisenpolen mehr Windungen drauf (beim "Burstbucker #3" etwa 6 % zusätzlich). Lindy Fralin macht dagegen die Schrauben-Spule stärker - um sehr viel mehr.
Ich habe mit solchen Typen experimentiert und festgestellt: Der Effekt
ist relativ gering, er wird häufig überschätzt. Man braucht schon
ein sehr geübtes Ohr, um da noch einen Unterschied
herauszuhören. Weitaus dominierend ist für den Sound nach wie vor der
Frequenzgang, der sich aus Spuleninduktivität und Kabelkapazität
ergibt, also die Lage der Resonanzfrequenz und die Stärke der
Resonanzüberhöhung. Solange man diese beiden Dinge nicht vollkommen im
Griff hat, braucht man über die Spulen-Unsymmetrie
nicht groß herumzudiskutieren.
Zu guter Letzt noch ein ganz anderer Punkt, der beim Sound von Humbuckern auch
noch mit hineinspielt: Die Mikrofonie. Die ist manchmal schrecklich! Die eine Ursache dafür ist die Vernickelung der Blechkappe. Die ist immer vorhanden, auch unter äußeren Chrom- oder Goldschichten, vermutlich weil das Galvanisieren so besser geht. Nickel ist magnetisch, dadurch wirkt die Kappenoberseite wie die Membran eines Mikrofons. Ein prinzipieller Unterschied zwischen den alten PAFs und den "Patent-Nr."-Typen ist hier nicht erkennbar. Die andere Ursache ist eine schlabberig ausgeführteDrahtwicklung. Das kommt bei handgewickelten Pickups öfter vor als bei maschinell gewickelten.
Hinsichtlich Mikrofonie ist jeder Pickup ein Individuum. Beim einen setzt sehr schnell ein widerliches Pfeifen ein, bei anderen nicht so schnell oder überhaupt nicht. Wenn man jetzt in einer Lautstärke spielt, bei der die Rückkopplung gerade eben noch nicht anfängt, dann zeigt sie doch schon ihre Wirkung in einem leicht verändertem Sound. Allerdings ist dieser Effekt bei jedem Exemplar unterschiedlich.
Als Abhilfe wird immer wieder Wachs genannt - aber gewusst wie. Vom Tränken der Drahtwicklung mit Wachs halte ich nicht sehr viel, weil es erfahrungsgemäß nicht bis innen durchdringt. Auch lösen sich manche Spulenkörper im flüssigen Wachs auf. Deshalb ziehe ich an dieser Stelle dünnflüssigen Superkleber vor. Zwischen Spulenkörper und Blechgehäuse ist dagegen Wachs besser. Damit kriegt man die Kappen bei Bedarf auch wieder ab. Bei Superkleber ist da keine Chance. Die alten PAF-Humbucker von Gibson waren nicht gewachst. Die Neuauflagen sind es ganz bewusst auch nicht. Hier kann also der Rückkopplungseffekt wieder mit hineinspielen. Man solte mit dem Wachs so sparsam wie möglich umgehen. Ich habe mal eine Gitarre repariert, die der Besitzer offensichtlich im Sommer im Auto liegen gelassen hatte. Da war das ganze Wachs aus den Pickups herausgelaufen. Da war einiger Schweinkram.
Mehr und mehr bin ich zu der Erkenntnis gekommen: Das Entscheidende für
den legendären Klang der alten Les Pauls ist das Holz, nicht die
Pickups! Das hat damals noch viele Jahre Zeit gehabt, um an der Luft zu
trocknen, während heute fast alle Gitarren-Hölzer im Schnelltempo im
Ofen getrocknet werden. Dazu kommt dann noch, dass die alten Gitarren meistens viel mehr eingespielt sind als fabrikneue, was auch viel ausmacht. Wenn man einen echten alten Gibson "Patent applied
for"-Humbucker auf irgendeine Gurke von Gitarre setzt, dann wird die
auf gar keinen Fall so klingen wie eine 1958-er Les Paul. Pickups können
nur das Klangmaterial weiterverarbeiten, das sie von Korpus und Saiten
geliefert bekommen. Es gilt immer das GIGO-Prinzip: "Garbage in -
garbage out". Also lasst euch von den Werbesprüchen der Pickup- Hersteller nicht verrückt machen. Es wird überall nur mit Wasser gekocht.
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