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Schon mit fünf Jahren war ich in Vaters
Radioreparaturwerkstatt von Stromkabeln und Lötkolben fasziniert. Mit
acht konnte ich Schukostecker tadellos anschließen, mit elf bekam ich
den "Kosmos Elektromann" und baute damit Elektromotoren und Telefone,
mit 15 hörte ich nachts im Bett über einen uralten Kopfhörer die ersten
Töne aus meinem selbstgebauten Diodenempfänger. In den 60er Jahren die
nötigen Bauteile zu kriegen, war nicht immer einfach, so habe ich mit
Begeisterung immer alte Radios ausgeschlachtet. Wenn ich von meinem
sehr knappen Taschengeld mal wieder ein paar Mark zusammengespart
hatte, konnte ich es mir dann auch mal leisten, bei Radio Rim ein paar
moderne Teile zu bestellen, vor allem Transistoren, damals die große
Neuigkeit.
So
hatte ich bald alles mögliche mit elektrischem Strom angestellt. Aus
einem uralten Röhren-Kofferradio hörte ich eifrig Radio Luxemburg, und
als da die Beatles und Rolling Stones die Hitparaden eroberten,
kribbelte es endgültig. Das ist es, was ich will: elektrische Gitarren!
Nun war ich als Schüler arm wie eine Kirchenmaus, und so musste für die ersten drei, vier Griffe zunächst Vaters uralte Spanische herhalten. Zum Abitur bekam ich dann ein bisschen Geld geschenkt, und ich zog los und suchte meine erste E-Gitarre. Und ich fand. Wenn ich heute zurückblicke, habe ich da einen ausgesprochen guten Griff gemacht: eine Höfner 4576 "Verythin", gebraucht für ganze 230 DM. Die hatte einen relativ dicken, breiten Hals, das war mir damals, wo ich von der Konzertgitarre kam, gerade recht. Ich spiele sie heute noch gerne, und nachdem ich die Elektrik ein paarmal umgebaut habe, klingt sie jetzt super - in Richtung der alten Beatles-Hits. Für
einen Verstärker war dann leider kein Pfennig mehr übrig. Ich nahm
Vaters Röhren-Tonbandgerät; der eingebaute Lautsprecher klang zwar wie
ein Blecheimer, aber damit konnte man schon damals die Vorstufe kräftig
übersteuern und gleichzeitig die Endstufe leise drehen. Das ging zu den
Zeiten mit kaum einem Gitarrenverstärker. Dann habe ich mir im Laufe
der Jahre diverse Verstärker selbst gebaut. Der allererste lief mit
zwei 4,5-V-Batterien und brachte ganze 1,5 Watt, aber in der Stube war
das auch schon Lärm. Der zweite kam auf 10 Watt, schon besser. Mit dem
Ding hatte ich mit 21 meinen ersten Bandauftritt.
Um meine Fachkenntnisse in Elektrizität dann richtig zu untermauern, habe ich Physik studiert - in Münster und Saarbrücken, wobei mich Festkörperphysik und Halbleiterei besonders angezogen haben. Das war eine verdammt harte Schule. Da wurde mir unmissverständlich beigebracht, mit akribischer Sorgfalt zu arbeiten und keine Behauptungen in die Welt zu setzen, die nicht sehr sicher untermauert sind. "Die Fünf gerade sein lassen" geht da ganz und gar nicht. Auf der anderen Seite wurde mir am Ende aber klar, dass ich ein Fachidiot geworden war. Um auf der Welt wieder besser mitreden zu können, hängte ich deshalb noch das "Arbeits- und Wirtschafts-
wissenschaftliche Aufbaustudium" an der TU München dran.
Zwei Jahre nach meiner ersten E-Gitarre habe ich bei einem Trödler meinen ersten E-Bass gekauft, einen Höfner
"185" mit rot-goldenem Plastiküberzug für ganze 150 DM. Das war ein hervorragendes Verhältnis von Preis zu Gegenwert. Der Bass hat mir gute Dienste geleistet und ganz schön was mitgemacht. Später
habe ich ihn total umgebaut (aktive Elektronik versteht sich), neu
lackiert und noch mit Gewinn verkauft.
Geld für einen gescheiten
Verstärker hatte ich als Student immer noch keins. So baute ich in
meiner Freizeit einen mit 120 Watt selbst. Meine Bude war ein Anbau an
einem Haus, wo ich den kräftig aufdrehen konnte. Hier übte ich mit
einer sechsköpfigen Band. Die Hühner im Garten müssen dabei wohl
ausgeflippt sein.
1975 habe ich meine ersten Pickups gewickelt. Ganz am Anfang habe ich dabei die
Spule noch mit einer Kurbel per Hand gedreht und mit der anderen den
Draht geführt. Ein paar davon tun heute noch bestens ihren Dienst. Die Kurbelei
wurde mir aber sehr bald zu dumm, und so habe ich ein Motörchen
angebaut. Das Zählwerk für die Windungen stammt aus einem alten
Stromzähler. Diese Maschine hat inzwischen einige Kilometer drauf.
Um meine Ausrüstung weiter zu verbessern, suchte ich nach Fachliteratur
über E-Gitarren, Pickups und Verstärker. In Deutschland fand ich fast
nichts, spärliches Material dann auf Reisen nach England und in die
USA. In irgendeiner engen Studentenbude in München kam mir dann die
Idee: Wenn es auf der ganzen Welt kein gescheites Buch über
Gitarrenelektronik gibt, dann musst du selbst eins schreiben! Das zog
sich dann länger hin als geahnt, weil das Studium nun mal vorging. Es
wurden schließlich zwei Bücher: "Elektrogitarren", erschienen 1977 beim
Frech-Verlag in Stuttgart, und "Gitarrenverstärker", 1978, die sich auf
Anhieb gut verkauften. Die nenne ich heute mit leicht ironischem Unterton meine "Vintage"-Bücher.
Aber wenn man nicht gerade Simmel heißt, kann man vom Bücherschreiben nicht leben, und so ging ich als Entwickler in die Elektronikindustrie. Dabei war ich auch einige Zeit bei einer Firma, die Verstärker für Musiker herstellte - Gesangsanlagen, Keyboard-Verstärker, Gitarrenverstärker und Effektgeräte. Fachlich war ich da total in meinem Element. Nur leider war das Betriebsklima in dem Laden so schrecklich, dass es mich da sehr bald wieder vertrieben hat. 1978 suchte ich einen neuen Job und wurde - dank der Verkaufserfolge meiner Bücher - Redakteur bei der Zeitschrift ELEKTRONIK. In acht herausfordernden Lehrjahren lernte ich die industrielle Elektronik von der Pike auf kennen. 1986 verlegte ich dann mein Büro nach Hause und wurde freier Journalist auf diesem Gebiet. In dieser Zeitschrift veröffentliche ich nach wie vor sehr viel, vor allem in den Bereichen Hochfrequenz- und Mikrowellentechnik, Optoelektronik, Sensorik und Solarenergie. Hier sind einige Kostproben davon, speziell ausgewählt für Audio-Freaks: Hörbares sichtbar machen Kondensatoren als Störenfriede Damit der Sound stimmt In meiner Wohnung habe ich mir ein gut ausgestattetes Elektroniklabor eingerichtet und noch verschiedene Verstärker und Effektgeräte gebaut. Alle habe ich in diversen Bands gründlich ausprobiert. Die Erfahrungen sind dann in meine weiteren Bücher eingeflossen.
Mein
Musikgeschmack hat sich dann mit der Zeit immer mehr vom Rock ab- und
dem Jazz zugewandt, und in Bands spiele ich im Moment überwiegend Bass. Ich bin oft auf den Jazz-Jamsessions im
Münchener Olympiadorf. Termine siehe: www.kultur-forum2.de. Nach wie vor lausche ich aber fasziniert herausragenden Gitarristen, bevorzugt Pat Metheny, John Scofield, Bill Frisell, Al DiMeola, Stanley Jordan und ähnlichen, lokal hier in Deutschlands Süden Geoff Goodman, Bernd Hess, Gunnar Geisse, Helmut Nieberle, Helmut Kagerer und und und ...
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Für
einen Verstärker war dann leider kein Pfennig mehr übrig. Ich nahm
Vaters Röhren-Tonbandgerät; der eingebaute Lautsprecher klang zwar wie
ein Blecheimer, aber damit konnte man schon damals die Vorstufe kräftig
übersteuern und gleichzeitig die Endstufe leise drehen. Das ging zu den
Zeiten mit kaum einem Gitarrenverstärker. Dann habe ich mir im Laufe
der Jahre diverse Verstärker selbst gebaut. Der allererste lief mit
zwei 4,5-V-Batterien und brachte ganze 1,5 Watt, aber in der Stube war
das auch schon Lärm. Der zweite kam auf 10 Watt, schon besser. Mit dem
Ding hatte ich mit 21 meinen ersten Bandauftritt.